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Juni 2019

Heizen mit Bier

Rund ein Drittel des österreichischen Energieverbrauchs wird für das Heizen von Gebäuden und Wohnungen verwendet – umso wichtiger sind nachhaltige und effiziente Wärmelösungen auf dem Weg zur Energiewende. Dabei kann man auch auf den ersten Blick unkonventionelle und doch naheliegende Wege gehen. 

Mit Unterstützung und Begleitung durch das Programm ‚klimaaktiv Erneuerbare Wärme‘ des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) hat die C&P Immobilien AG gemeinsam mit KELAG Energie & Wärme GmbH einen besonders innovativen Ansatz gewählt: im steirischen Siedlungsprojekt „Brauquartier Puntigam“ werden rund 800 Wohnungen durch die Abwärme der benachbarten Brauerei Puntigam beheizt.

Das Projekt „Brauquartier Puntigam“ in Graz wurde auf 4,2 Hektar in unmittelbarer Nähe der Brauerei Puntigam enwickelt und ist bereits weitgehend realisiert. Es umfasst rund 800 Wohnungen zwischen 35 und 75 m2 sowie Büros, Geschäftsräume und einen Kindergarten. Die gesamte Nutzfläche des Quartiers beträgt rund 65.000 m2, wovon ca. 45.000 m2 dem Wohnsegment gewidmet sind. Neben den thermisch optimierten Baukörpernsollte auch die Wärmeversorgung so umweltfreundlich, nachhaltig und innovativ wie möglich gestaltet werden. Nach einer zweijährigen Entwicklungsphase startete daher im Dezember 2017 die Wärmeversorgung durch die Abwärme der Brauerei Puntigam. Seither werden die Anlagen laufend optimiert, um eine höchstmögliche Effizienz sicherstellen zu können.

Da die (Ab-)Wärme rein biologisch durch die Stoffwechselaktivität der Hefe entsteht, zeichnet sich das Projekt sowohl durch effiziente Energienutzung als auch nachhaltige Energiegewinnung aus. Bereits im ersten Jahr des Projekts konnten dadurch rund 160 Tonnen CO2 eingespart werden. Nach dem Endausbau wird sogar mit einer CO2 Einsparung von ca. 720 Tonnen pro Jahr gerechnet. Die Abwärmeauskoppelung wurde mit rund 200.000 Euro aus Mitteln der Umweltförderung im Inland und der EU gefördert.

Beim Brauprozess – im Speziellen bei der Vergärung von Bierwürze durch Kulturhefe zu Bier – fallen große Mengen Wärme an. Bisher wurde diese Abwärme ungenutzt über das Dach der Brauerei abgeführt. Ein Wärmetauscher und zwei Wärmepumpen ermöglichen es jetzt, die Wärme abzuleiten und zur Beheizung des Brauquartiers Puntigam einzusetzen. So werden die Gebäude des Quarties zu 93 % mit „Bier-Abwärme“ beheizt. Die Wärmepumpen wurden aus Standardkomponenten speziell auf den Einsatz im Brauquartier abgestimmt und angepasst. Zusätzlich ist die Anlagenkonzeption so gewählt, dass sich die Wärmepumpen (Nieder-/Hochtemperatur) im Störfall wechselseitig „ersetzen“ können.

Damit so ein neuarteiges Wärmeversorgungskonzept umgesetzt werden konnte, mussten alle Beteiligten bereit sein, neue Wege zu gehen und teilweise jahrzehntelang gelebte Strukturen zu verändern. Für die Brauerei bedeutet die Abwärmenutzung einen Eingriff in den – für die Bierproduktion – optimierten Brauprozess. Voraussetzung für das Projekt war daher, dass die Abwärmeentnahme für die Brauerei „spurlos“ erfolgt. Eine Herausforderung für die KELAG Energie & Wärme GmbH war, das Angebot an verfügbarer Abwärme – bei bestmöglicher Effizienz – möglichst exakt auf den Wärmebedarf des Brauquartiers abzustimmen. Die C&P musste aufgrund der gewählten Wärmelösung das Wärmeabgabesystem auf Niedertemperatur auslegen und die internen Planungsabläufe anpassen.

www.klimaaktiv.at

www.brauquartier-puntigam.at

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