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Dezember 2019

Illustre Illumination

Ein Luster ist auf den ersten Blick etwas sehr Traditionelles – kann er aber mit der Zeit mithalten, verströmt er moderne Festlichkeit, Gemütlichkeit und Eleganz. Und genau das ist bei Lobmeyr Lighting der Fall: Das Unternehmen ist berühmt für seine zeitgenössischen Interpretationen der edlen Leuchten und arbeitet seit Jahrzehnten intensiv mit renommierten Designern zusammen, um die schönsten „Lichtgestalten“ zu schaffen.

© Lobmeyr Lighting

© Lobmeyr Lighting

Während das Familienunternehmen bereits 1881/82 gemeinsam mit Thomas Alva Edison die ersten, weltweit für Furore sorgenden elektrischen Kristallluster entwickelte, werden auch heute noch klassische Luster für echte Kerzen produziert, wie es etwa in der Lobby des Wiener Ringstraßen-Hotels Grand Ferdinand der Fall ist. Die österreichische Hauptstadt kann auch als „Lobmeyr City“ bezeichnet werden – in kaum einer anderen Metropole der Welt strahlen einem in Palais, Cafés, Hotels, Theater- und Musikhäusern so viele Lobmeyr Luster entgegen. Die international beliebten Luster werden bei Lobmeyr nach wie vor von Hand gefertigt. Auch Spezialanfertigungen sind keine Seltenheit, die Beleuchtungskonzepte werden speziell an die zu beleuchtenden Räume angepasst.

Um einen tiefergehenden Einblick in die leuchtende Welt der luxuriösen Lichtgestalten zu erhalten, hat sich MORE THAN DESIGN mit Johannes Rath, dem Geschäftsführer von Lobmeyr Lighting, im stilecht von Lobmeyr-Lustern ausgeleuchteten Ambiente eines klassischen Wiener Kaffeehauses auf ein ausführliches Gespräch zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des renommierten Familienunternehmens getroffen.

200 Jahre alter k.u.k Hoflieferant versus modernes Unternehmen am Puls der Zeit: Welche Herausforderungen galt es für Lobmeyr auf dem Sprung ins neue Jahrtausend zu meistern?

Wir empfinden uns seit jeher als Vorreiter im Spannungsfeld von Stil, Technik und Kultur. Schließlich war es Lobmeyr der 1881/82 zusammen mit Thomas Edison den ersten elektrischen Luster der Welt in der Wiener Hofburg angeschlossen hat. Dieser Innovationsgeist ist seitdem sozusagen in unserer Firmen-DNA gespeichert und von da an ging die Reise für uns immer nur vorwärts. Der sprichwörtliche „Spagat“ zwischen den beiden Polen Vergangenheit und Zukunft ist somit bei uns schlicht nicht gegeben. Für uns ist konstante Innovation der Normalzustand. Als traditionelles Unternehmen mit bewährten alten Techniken und eigener Manufaktur in der Wiener Innenstadt sind Einzel- und Sonderanfertigungen für uns gelebter Alltag. Eine Fertigung von drei oder vier Exemplaren des gleichen Lusters ist schon eher der Sonderfall und Massenfertigung kommt bei uns schon gar nicht vor. Meiner Meinung nach liegt die größte Herausforderung darin, den Menschen in unserer digitalisierten und schnelllebigen Welt wieder das gute alte Handwerk mit seiner Qualität schmackhaft zu machen und nahe zu bringen. Daran arbeiten wir mit Nachdruck.

Tradition und Innovation gehen bei Lobmeyr Hand in Hand: Woher nehmen Sie die Inspirationen zur Weiterentwicklung? Und gab es auch schon mal den berühmten „Schuss in den Ofen“?

Ha, den gibt es ständig! (lacht) Aber ernsthaft: Unsere Inspiration kommt aus den unterschiedlichsten Richtungen, wir sind da sehr offen. Einerseits sind natürlich Designer oder Architekten eine essenzielle Inspirations-Quelle, andererseits leben wir für unsere KundInnen, die mit speziellen Anforderungen und Wünschen zu uns kommen. Wir sind dann natürlich immer Feuer und Flamme für jene Ideen oder Vorstellungen, die wir noch nie angegangen sind oder umgesetzt haben. Und es reizt uns auch immer wieder etwas Neues, Unbekanntes auszuprobieren. Ich habe nämlich ein sehr motiviertes Team auf dessen Einfallsreichtum und Wissen ich mich immer verlassen kann. Darauf bin ich auch sehr stolz.

Einer Ihrer neuesten Geniestreiche ist der smarte Luster „The Knight“. Wie kam es zu diesem Projekt?

Oh, da muss ich etwas ausholen: Speziell mein Cousin Leonid ist hier als treibende Kraft zu nennen, der über die Jahre viele Kooperationen mit Jung-Designern ins Rollen brachte. Der Beginn dieser Phase war von einer Dualität aus Evolution und einer „zurück zu den Wurzeln“-Mentalität geprägt: Natürlich fertigten wir immer noch spezielle Einzelstücke für Privat- wie Geschäftskunden an, und als Ergänzung dazu starteten wir 2010 auch eine neue Beleuchtungslinie mit Designer Marco Dessí, nur diesmal ohne einen dezidierten Kunden im Hintergrund. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir dann alle paar Jahre immer wieder eine Kooperation mit einem Designer. Ein besonderes Highlight war neben anderen Projekten die UFO-Serie, die wir mit dem Wiener Designbüro KIM+HEEP realisierten: Hierbei handelte es sich um kleine Hängelampen, die jeweils eine andere individuelle Alien-Art repräsentierten und über verschiedene Leuchtarten verfügten (seitlich, unten, oben).

2019 brachten wir dann sogar zwei komplett neue Beleuchtungsserien auf den Markt: Einerseits die zusammen mit Bodo Sperlein designte „Script“-Reihe und eben „The Knight“, der in Kooperation mit Marco Dessí entstand. Marco ist schon 2018 mit seinem Entwurf an mich herangetreten und ich war sofort begeistert. Was mir als Technikliebhaber besonders gut gefällt ist, dass sich beim „The Knight“ warmes und kaltes Licht unabhängig voneinander steuern lässt und der Luster auch ganz leicht in die bereits vorhandene Hauselektronik integrierbar ist. Hierdurch ergeben sich vielfältige Anwendungsbereiche und seine variablen Lichtstimmungen eignen sich ebenso für kommerzielle Flächen wie Büros, als Beleuchtung über einem Billardtisch oder auch als stilvolles Element in professionellen Küchen und gemütlichen Wohn- und Esszimmern. Diese Vielseitigkeit und die technischen Spielereien haben es mir von Anfang an sehr angetan und 2020 wird „The Knight“ sogar in einer mit Swarovski gestalteten Version herauskommen.

Wo wir gerade beim Thema sind: Wie sieht ein typischer Ideenfindungs-/Designprozess für einen neuen Luster aus?

„Rendering – Bleistift – Werkstatt“ lautet die Devise. Die für viele so essenzielle technische Skizze kommt bei uns nicht selten erst nach dem ersten Prototyp – sie ist bewusst der letzte Schritt, da sich viele kleine Dinge erst im Herstellungs-Prozess ergeben. Zunächst gibt es ein Rendering des jeweiligen Designers. Da es, wenn dieser Punkt erreicht ist, eigentlich schon „zu spät“ für Änderungen und Problemlösung eine unserer Kernkompetenzen ist, gehen wir dann meistens komplett zurück an den Start, um den Entwurf mit unserer fachlichen Kompetenz zu verbinden. Denn ein echtes Lobmeyr-Produkt ist es erst, wenn die Inspiration eine harmonische Symbiose mit den Fähigkeiten unserer Werkstätte eingeht. Am Ende werden die stilistischen Feinheiten dann in einem gemeinschaftlichen Prozess zwischen Designer und Werkstätte abgestimmt. In diesem Kontext ist noch zu sagen, dass uns kompliziert auch wirklich mehr liegt als einfach: auf dem schmalen Grat zwischen „zu einfach“ und „zu kompliziert“ dann auch wirklich die harmonische Balance zu finden, ist unser ultimatives Ziel.

Auf welche Neuerungen können Sie beim Fertigungsprozess mittlerweile zurückgreifen? Und haben Sie hier vielleicht sogar eine eigene Innovation entwickelt?

Auch wenn wir mittlerweile auf Innovationen wie Laser- oder Wasserstrahl-Cutting und Galvano Plast zugreifen können, sehen wir diese modernen Technologien nicht als Ersatz für gutes Handwerk – eher als Ergänzung. Außer natürlich bei Angelegenheiten, wo das Handwerk nicht mehr mithalten kann. So mussten wir etwa einmal einen Trichter aus einem Stück bauen, der unten lang/schmal und oben breit/flach sein sollte. Da dies mit „normalem Handwerk“ nicht zu bewerkstelligen war, haben wir uns dann dafür entschieden, ihn galvanoplastisch aufzubauen, um die gewünschten Anforderungen erfüllen zu können.

Wie sieht die Zukunft des smarten Lusters aus? Was wird er noch alles können außer beleuchten?

Für mich ist die Beleuchtung schon fast zu viel! (lacht) Denn sobald Strom im Spiel ist, wird es kompliziert. Obwohl prinzipiell alles möglich ist, wie man sehr schön an unserem Knight-Luster sieht, sollte der „Kern des Pudels“ immer der Luster bleiben – denn zu viel des Guten ist einfach nicht gut. Bezüglich der smarten Technologie muss ich aber an dieser Stelle noch anmerken, dass hier nichts von uns selbst stammt, sondern alles schon vorher existierte und wir es quasi nur integriert haben. Was jedoch sehr wohl von uns stammt, sind die maßgeschneiderten Beleuchtungselemente und die Beleuchtungskörper, die eine Nutzdauer von über 100 Jahren haben. Da die Elektronik leider nicht so lange hält, wird hier das Problem der Nachhaltigkeit bzw. der User Compability relevant: Sind die benötigten Leuchtmittel weiterhin erhältlich? Lassen Sie sich überhaupt ausbauen, wenn es eine Maßanfertigung ist? The Knight war in diesem Zusammenhang bis zu einem gewissen Grad der berühmt-berüchtigte „Glaubenssprung“ für uns – denn hier ist ja wirklich alles maßgeschneidert. Und obwohl etwa die Warm-/Kalt-Weißsteuerung eine Individualanfertigung ist, lässt sie sich problemlos austauschen. Wir haben also all unsere Hausaufgaben gemacht! (lacht)

Verraten Sie uns noch ein Geheimnis: Was war das schrägste Erlebnis, das Sie bisher in Ihrer Karriere erlebt haben?

Mitten in der heißen Wüste von Katar wurden die tragenden Elemente eines Lusters bei der Montage von den Arbeitern des Kunden „beyond repair“ beschädigt. Da war guter Rat teuer. Schließlich bin ich mit einem Jeep zu den umliegenden Beduinendörfern gefahren und habe in den Gemischtwarenhandlungen in mühsamer Kleinarbeit die notwendigen Teile für die Reparatur zusammengesucht. Gemeinsam mit meinem Handwerker vor Ort konnten wir trotz der widrigen Umstände eine fachmännische Lösung erarbeiten und den Schaden mit viel Fingerspitzengefühl beheben. Da sind tatsächlich einige Schweißperlen geflossen und wir haben dafür gesorgt, dass Josef Hoffmann sich nicht im Grab umdrehen muss!

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses sympathische und erhellende Gespräch genommen haben, Herr Rath. Wir wünsche Ihnen und Lobmeyr Lighting alles Gute für die Zukunft und sind schon gespannt auf die nächsten Innovationen aus Wiens führender Luster-Manufaktur!

light.lobmeyr.at

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