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Juni 2019

eCommerce Day 2019 - der Nachbericht

Das Who is Who der Handelsbranche hat sich am 12. Juni beim alljährlichen eCommerce Day (ehem. Versandhandelstag) des Handelsverbandes getroffen. Der traditionelle Pflichttermin für die österreichische eCommerce Szene sowie Brancheninteressierte fand bereits zum 19. Mal statt, allerdings erstmals gemeinsam mit dem Google-Event International Wachen (13. Juni) im Studio 44 in Wien. Trotz hochsommerlicher Temperaturen verfolgten mehr als 250 Teilnehmer das von Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch und Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will eröffnete Event.

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Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch eröffnete den eCommerce Day 2019 und ließ die vergangenen 19 Jahre seit der ersten Ausgabe des Branchenevents Revue passieren. Viel ist seither passiert: Facebook und Google haben den weltweiten Werbemarkt erobert, Amazon hat mit seinem Marktplatz den eCommerce revolutioniert und das Smartphone wurde zur treibenden Kraft im Online-Shopping mit beeindruckenden Wachstumsraten. "Im Handel ist kein Unternehmen 'too big to fail'. Niemand weiß, ob es Amazon oder Alibaba in 10 Jahren noch geben wird", so Mayer-Heinisch. Der Präsident forderte das junge Publikum auf, Retail neu zu denken: "Nur so können wir die mit der Digitalisierung, der Globalisierung und dem Klimawandel einhergehenden, gewaltigen Herausforderungen gemeinsam meistern. In einem starken Österreich, in einem starken Europa."

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, ließ in seiner Eröffnungsrede die jüngsten Leistungen und Erfolge des Handelsverbandes Revue passieren – von der Beschwerde gegen den Amazon Marketplace über den erfolgreichen Start der eCommerce-Lehre, die Schaffung der ersten freiwilligen Branchenselbstverpflichtung des Lebensmittelhandels um die Zusammenarbeit mit der heimischen Landwirtschaft weiter zu verbessern, bis hin zur neuen Mittelstandsinitiative KMU RETAIL. "Wenn es einen Begriff gibt, der die Verbandsarbeit der letzten 12 Monate am besten zusammenfasst, dann ist es FairCommerce. Dafür setzen wir uns ein. Uns geht es darum, faire Marktplätze und eine faire Besteuerung für alle Marktteilnehmer sicherzustellen. Dafür braucht es einen New Digital Deal", so Will.

Marc Girardelli erzählte in seiner Keynote gewohnt humorvoll aus dem Leben einer Ski-Legende. Er gab den begeisterten Zuhörern aber auch drei Erfolgsgeheimnisse mit auf den Weg: "Erstens: Vertraue dir selbst. Gehe deinen Weg, und lass dich dabei nicht von anderen beeinflussen. Zweitens: Um erfolgreich zu sein, musst du auch bereit sein, ab und zu mal die Regeln zu brechen. Dazu braucht es Courage. Drittens: Habe keine Angst vor dem Scheitern. Denn gerade Misserfolge öffnen neue Türen." Last but not least: "Reiß dir den Arsch auf. Es gibt keinen dauerhaften Erfolg ohne beinharte Arbeit", so der fünffache Gesamtweltcup-Sieger.

Geh nicht auf die Jagd, wenn dein Haus brennt – so der unkonventionelle Vortragstitel der Berater-Legende Guido Quelle. Dieses Motto sollte sich jedes Unternehmen, dass eine Internationalisierung plant, ins Stammbuch schreiben. "Das wichtigste ist, erst zu standardisieren, und erst dann zu multiplizieren. Es nützt schließlich nichts, das Chaos zu exportieren." Der langjährige Geschäftsführer der Mandat Managementberatung hatte noch viele weitere wertvolle Tipps für Händler im Gepäck, u.a.: "Wenn Sie das nächste Mal ihre Prozesse optimieren, denken Sie nicht über die Details der einzelnen Prozesse nach, sondern vor allem über die Schnittstellen", und "weniger ist Mehr – stellen Sie alle Ihre Projekte auf den Prüfstand!"

Gute Ratschläge präsentierte im Anschluss auch die frisch gebackene Google Austria Country Directorin Christine Antlanger-Winter, die zuvor CEO der Media-Agentur Mindshare war. Sie fokussierte in ihrem ersten von insgesamt drei Auftritten beim eCommerce Day auf die Fortschritte beim Einsatz von Machine Learning sowie auf das von Google entwickelte TensorFlow-Framework zur datenstromorientierten Programmierung. Fazit: Machine Learning und künstliche Intelligenz sind definitiv gekommen, um zu bleiben.

Wie sich Cross Border-Strategien auf B2B-Marktplätzen umsetzen lassen erklärten Silvia Kollmann von der größten europäischen B2B-Plattform Mercateo und Martin Hauser vom Verpackungsteam. Insbesondere die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) sei empfehlenswert, so die beiden Experten. Kollmann stellte bei der Gelegenheit auch gleich Mercateo Unite vor – das neutrale B2B-Netzwerk für persönliche Kooperationen und digitale Transaktionen zwischen Einkäufern und Anbietern.

Wenn es um Cross Border Fragen geht, zählt auch Daniel Albrecht von Starke Consulting zu den absoluten Profis. Der deutsche Jurist lebt seit Jahrzehnten in Peking und kennt den chinesischen eCommerce-Markt wie seine Westentasche. "Chinas Online-Markt wird bis 2020 größer sein als jene in Großbritannien, Japan, Deutschland und Frankreich zusammen. Wir reden hier vom größten eCommerce-Markt der Welt", so Albrecht. Sein Tipp an alle Händler mit Internationalisierungswunsch: "Wenn Sie in China aktiv werden, müssen Sie sich mit den landesspezifischen Plattformen intensiv auseinander setzen, da viele westliche Player gesperrt sind."

Marina Hörmanseder, Wiener Modedesignerin von Weltrang, erzählte in ihrer Keynote die persönliche Erfolgsgeschichte von den Anfängen im eigenen Wohnzimmer über den Sprung nach Berlin bis hin zu den aktuellen Kooperationen mit internationalen Superstars wie Lady Gaga oder Nicki Minaj. "Ein gutes Label braucht zwei Dinge, um erfolgreich zu sein: ein gutes Logo und ein Alleinstellungsmerkmal. Das ist bei mir die Schnalle. Die Schnalle ist meine Corporate Identity, sowas braucht auch jedes Handelsunternehmen", ist Hörmanseder überzeugt. Als wichtigste Online-Märkte für das eigene Label identifizierte sie die DACH-Region sowie die USA und Indonesien.

Der anschließende Dialog zwischen Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will und Alexander Pallendorf, CEO von Das Spielzeug, drehte sich um die aktuellen Chancen und Herausforderungen für mittelständische Unternehmen in Österreich. Pallendorf gab einen spannenden Einblick in den KMU-Alltag, Will stelle die KMU Retail-Initiative des Handelsverbandes mit zahlreichen Power Tools und Service-Leistungen für Händler vor.

Google Austria-Chefin Christine Antlanger-Winter stellte im Anschluss gemeinsam mit Handelsverband-Projektmanagerin Isabel Lamotte den brandneuen Omnichannel Readiness Index 2.0 vor. Der digitale Benchmark zeigt, wie sich der österreichische Handel entwickelt hat. "Eine Omnichannel Strategie ist für jeden österreichischen Händler heute unabdingbar, da sich Konsumenten bei einer Vielzahl von Kaufentscheidungen online informieren, und dann in einer Filiale kaufen, oder auch umgekehrt. In diesen wichtigen Kaufentscheidungsmomenten als Händler präsent zu sein, hat einen wesentlichen Anteil am Erfolg eines Händlers", so Antlanger-Winter. "Wir beobachten bei ORI 2.0 eine fantastische Evolution: Alle 45 analysierten Händler sind besser geworden. Trotzdem hat der Markt noch riesige Potenziale: 80% der Konsumenten wünschen sich die Filterbarkeit der Suchergebnisse im Online-Shop nach Verfügbarkeit in der Filiale, doch nicht einmal jeder zehnte Händler bietet dies an", sagte Lamotte.

Die A-Lage in der digitalen Welt ist die erste Ergebnisseite der Suchmaschine Google. Wer es dorthin nicht schafft, wird vom Konsumenten schlicht nicht gesehen. Aber wie steht es um die digitale Lage des österreichischen Einzelhandels? Damit beschäftigt sich der Digital Visibility Report. Jan Königstätter, Gründer und Geschäftsführer von Otago Online Consulting, stellte die zentralen Erkenntnisse vor: "Eine gute Lage im Ranking der größten Suchmaschinen bringt Kunden-Traffic und damit Conversion, also Kaufabschlüsse. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Österreichs große Händler in der Regel gut aufgestellt sind, aber auch Spezialisten decken ihre Segmente verblüffend gut ab. Daher dient diese Studie auch als Rüstzeug für KMU, denn nicht die umsatzstärksten auch immer die sichtbarsten sind."

Jan Königstätter durfte in der Folge gleich auf der Bühne bleiben, wenngleich er sich das Podium mit Harald Gutschi (Otto Unito), Christine Antlanger-Winter (Google Austria), Bennet Görlitz (Idealo) und Jan Radanitsch (Smarter Ecommerce) teilen musste. Die illustre Runde diskutierte über den Status Quo im Suchmaschinenmarketing (SEA) und in der Suchmaschinenoptimierung (SEO). Das Fazit: An der Suchmaschine Google kommt de facto niemand vorbei, Investitionen in SEO/SEA zahlen sich nach wie vor aus. Harald Gutschi hatte auch einige Folien zur aktuellen Trachtenkampagne von Otto im Gepäck und versorgte die Besucher mit überraschenden Zahlen zur Kampagne.

Nach der Mittagspause durfte sich Robert "Crypto Robby" Schwertner seinem Lieblingsthema widmen: der Blockchain. "Das Internet hat eine große Schwäche. Im Netz können keine Werte übertragen werden. Ich brauche im Hintergrund immer eine Institution, z.B. Banken, die sicherstellt, dass die Übertragung funktioniert. Es gibt aber eine Technologie, die dieses Problem lösen kann, die Blockchain", so der Experte. Schwertner ist überzeugt, die Blockchain-Technologie werde früher oder später wie ein Tsunami über unsere Wirtschaft einfallen: "Dann werden auch die GAFAs große Probleme bekommen."

20 Slides à 20 Sekunden – das ist die sportliche Vorgabe des Pecha Kucha Formats. Robert Albrecht und Thomas Wernet meisterten diese Aufgabe mit Bravour. Albrecht, seines Zeichens Head of New Business bei Paysafe:cash, gab einen tiefen Einblick in die Seele der Bargeld-Nation Österreich: "Bargeld ist das sicherste Zahlungsmittel, dass je erfunden wurde. Jahr für Jahr wächst die im Umlauf befindliche Bargeldmenge um 10%. Jeder Österreicher hat im Schnitt 89 € Bargeld im Portemonnaie."

Thomas Wernet, Vice President Retail & eCommerce bei Arvato Financial Solution, widmete seinen Vortrag dem Thema Betrug im Internet. "Vor 2.000 Jahren kannten wir unsere 'Feinde' noch face-to-face. Heute sind wir in der digitalen Welt mit vielfältigen Fällen von Fraud konfrontiert. Fraud Prevention & Management wird daher immer komplexer und wichtiger", so der Experte, "heute haben wir ganze Netzwerke an Cyber-Kriminellen, die im Dark Web aktiv sind. Die große Herausforderung für Händler ist es, zwischen 'guten' und 'bösen' Kunden zu unterscheiden!"

Daniel Schiller, Head of Business Development beim Payment-Startup cashpresso, erläuterte die Vorteile von Ratenzahlungen für Konsumenten: "Cashpresso-Kunden werden nach PSD2 identifiziert. Wiederbestellungen werden dadurch ganz einfach ermöglicht. Ratenzahlung wurde in den letzten Jahren zwar inflationär angewendet, viele Kunden, die die Ware theoretisch sofort bezahlen können, splitten den Betrag aber trotzdem gerne in zwei bis drei Teilzahlungen. Das ermöglicht die Cashpresso-App."

Payback Brand Director Horst Müncheberg verwies auf das langjährige Credo des deutschen Loyalty-Vorreiters: "Den richtigen Kunden zur richtigen Zeit über den richtigen Kanal anzusprechen – das ist unser Mantra. Und wir wollen aus Big Data Smart Data machen." Die klassische Kundenkarte aus Plastik werde es auch weiterhin geben, aber die Zukunft liege im Smartphone.

"Das Smartphone löst immer mehr Altagsgegenstände ab, vom Wecker über die Straßenkarte bis hin zur Brieftasche. Das ist eine logische Konsequenz der Digitalisierung", stimmte Gerald S. Eder, Head of Business Development bei CRIF, zu. Der eCommerce-Profi hatte die neuesten Zahlen der Online-Fraud-Studie von CRIF mitgebracht. "Fake-Shops sind mittlerweile so perfekt gemacht, dass es selbst für Experten schwierig ist, diese zu erkennen. Umso wichtiger sind eCommerce-Gütesiegel wie das Trustmark Austria."

Christian Rau (Mastercard) erläuterte dem Publikum u.a. die Bedeutung der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 sowie die Vorteile der neuen Mastercard Debit Karte: "Mastercard hat die Debit Karte eingeführt, in Österreich besser bekannt als Bankomatkarte. Die Digitalisierung treibt uns an. Wenn meine Frau zuhause bestellen will, nutzt sie nicht ihr Portemonnaie, sondern ihr iPhone. Jede Bank tut daher gut daran, bei Android und Apple bequeme Payment-Lösungen anzubieten."

"David Hasselhoff war einer der Vorreiter im Influencer-Marketing. Heute ist PewDiePie der absolute Superstar in der Szene", leitete Talin Seifert den Social Media Schwerpunkt beim eCommerce Day 2019 ein. Derzeit gibt es 2,7 Mio. Instagram-Accounts in Österreich, Tendenz steigend. Die Top 3 Österreicher bei diesem Sozialen Netzwerk? Arnold Schwarzenegger, David Alaba und Swarovski! Einen Tipp für heimische Unternehmen mit Influencer-Ambitionen hatte die Geschäftsführerin von diego5 Studios auch im Gepäck: "Wichtig ist eine authentische Kommunikation. Es gibt mittlerweile Unternehmen, die die Standardlinie einfach auf Influencer übertragen. Das ist nicht authentisch, und das funktioniert auch nicht."

Kaum ein Schlagwort wird derzeit in eCommerce-Kreisen häufiger verwendet wie Artificial Intelligence, kurz: AI. Wie weit die künstliche Intelligenz in der Praxis tatsächlich fortgeschritten ist, darüber gab Matteo Petruzzellis, global eCommerce Director bei Akris, Auskunft. "AI ist ein Must-have, um 2019 im eCommerce erfolgreich zu sein. Alle langweiligen, repetitiven Tätigkeiten werden automatisiert, wir konzentrieren uns auf den kreativen Part. Auch Chatbots sind ein hilfreiches Engagement-Tool, um den Konsumenten etwa bei der Kleidungsauswahl im Modehandel zu unterstützen oder den Customer Service zu erleichtern."

Den traditionellen Abschluss des eCommerce Day 2019 bildete die hochkarätige Startup-Session. Die Gründer Ferdinand Metzler (Fision), Daniel Gradenegger (Annanow), Mario Eibl (Gleam), Ulrich Bodenhofer (Quomatic), Marc Mühlenbach und Christoph Schachner (Hackabu) pitchten live on stage. Die Moderation übernahm Werner Wutscher, Founder und Geschäftsführer von New Venture Scouting (NVS) und Leiter des Handelsverband-Circles "Omnichannel & Innovation". "Es geht um neue Lösungen. Wir haben spannende Startups auf der Bühne. Sie brauchen aber auch ein offenes Mindset", appellierte Wutscher an die Besucher.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will bedankte sich zum Abschluss der Veranstaltung nochmal bei den Kooperationspartnern sowie den insgesamt mehr als 240 Besuchern. Nach dem offiziellen Teil des Empfangs blieb den Gästen noch ausreichend Zeit für ausgiebiges Networking bis tief in die Nacht hinein. So ging das jährlich stattfindende Top-Branchenevent stilvoll zu Ende.

www.handelsverband.at/events/ecommerce-day

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