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Ist Shein schlimmer als H&M? Die nackte Wahrheit über Ultra Fast Fashion

Ist Shein schlimmer als H&M

In der modernen Modewelt hat sich die Geschwindigkeit, mit der Trends entstehen und wieder verschwinden, rasant beschleunigt. Wer heute durch soziale Netzwerke scrollt, stellt fest: Was gestern noch als modern galt, ist morgen schon wieder out.

Inmitten dieses Wirbelsturms stehen zwei Giganten der Bekleidungsindustrie im Fokus der Kritik. Viele Konsumenten stellen sich die Frage: Ist Shein schlimmer als H&M?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir tief in das Geschäftsmodell der Fast Fashion und der noch aggressiveren Steigerung, der Ultra-Fast-Fashion, eintauchen.

Das Geschäftsmodell der Giganten: Fast Fashion vs. Ultra-Fast-Fashion

H&M gilt seit Jahrzehnten als der Inbegriff für Fast-Fashion. Das schwedische Unternehmen hat die Art und Weise, wie wir Kleidung konsumieren, revolutioniert, indem es Laufsteg-Trends in Rekordzeit für die breite Masse zugänglich gemacht hat.

Doch während H&M physische Filialen unterhält und traditionelle Logistikketten nutzt, hat Shein das Spiel auf ein völlig neues Level gehoben.

Shein agiert fast ausschließlich online und nutzt hochentwickelte Algorithmen, um Trends in Echtzeit zu identifizieren. Täglich landen tausende neue Designs im Onlineshop.

Dieses System der Ultra-Fast-Fashion basiert auf einer extremen Datenanalyse und einer Produktion, die so schnell reagiert, dass klassische Kollektionen dagegen wie Zeitlupe wirken.

Während H&M versucht, durch Recycling-Programme ein grüneres Image zu pflegen, setzt Shein auf schiere Masse und unschlagbar niedrige Preise.

Ist Shein schlimmer als H&M? Die Arbeitsbedingungen und soziale Verantwortung in der Modeindustrie

Ein entscheidender Punkt beim Vergleich der beiden Unternehmen ist die Arbeitsbedingung in den Fabriken. H&M steht seit dem Einsturz von Rana Plaza unter genauer Beobachtung.

Das Unternehmen hat über die Jahre hinweg Transparenzberichte veröffentlicht und ist Mitglied in verschiedenen Initiativen für faire Löhne. Dennoch gibt es auch hier immer wieder Kritik an der Umsetzung in den Produktionsländern.

Bei Shein hingegen gleicht die Lieferkette oft einer Blackbox. Berichte über extrem lange Arbeitszeiten von bis zu 75 Stunden pro Woche und fehlende Sicherheitsstandards in den chinesischen Partnerbetrieben werfen ein dunkles Licht auf den Aufstieg des Konzerns.

Wer sich fragt, wieso sollte man nicht bei Shein einkaufen, findet hier oft das stärkste Argument: Die Ausbeutung der Arbeitskraft ist das Fundament, auf dem die 5-Euro-Kleider entstehen.

Gefährliche Chemikalien und die Gesundheit der Konsumenten

Ein Thema, das oft unterschätzt wird, ist die stoffliche Zusammensetzung der Kleidung. Untersuchungen von Organisationen wie Greenpeace haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Produkte von Ultra-Fast-Fashion-Anbietern häufig gefährliche Chemikalien enthalten.

Bei Stichproben wurden Phthalate, Schwermetalle und andere Giftstoffe gefunden, die weit über den in der EU zulässigen Grenzwerten lagen.

Diese Stoffe sind nicht nur ein Problem für die Umwelt, wenn sie beim Waschen ins Abwasser gelangen, sondern können auch direkt über die Haut aufgenommen werden. H&M hat hier strengere Richtlinien und unterliegt aufgrund seiner physischen Präsenz in Europa einer schärferen Kontrolle.

Wenn Sie mehr über bewussten Konsum erfahren möchten, finden Sie wertvolle Tipps unter nachhaltige Mode entdecken, um Fehlkäufe zu vermeiden.

Nachhaltig oder Greenwashing: Wer ist grüner?

Das Wort nachhaltig wird in der Modeindustrie mittlerweile fast so häufig verwendet wie das Wort Sale. H&M investiert Millionen in Marketingkampagnen, die ihre „Conscious“-Kollektionen bewerben.

Kritiker werfen dem Konzern jedoch Greenwashing vor, da das grundlegende Problem – die Überproduktion von Millionen Tonnen Textilien pro Jahr – bestehen bleibt. Ein paar recycelte Polyester-Shirts ändern nichts an der ökologischen Gesamtbilanz eines Fast-Fashion-Riesen.

Shein hingegen versucht erst gar nicht groß, sich als Öko-Pionier zu inszenieren, auch wenn vereinzelt kleine Kollektionen aus nachhaltigeren Materialien auftauchen.

Die schiere Geschwindigkeit der Ultra-Fast-Fashion macht jeden Nachhaltigkeitsgedanken im Kern zunichte. Die Modeindustrie ist für einen erheblichen Teil des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, und Geschäftsmodelle, die auf Wegwerfkleidung basieren, befeuern diese Klimakrise massiv.

Design und Diebstahl: Die kreative Seite der Medaille

Ein weiterer Kritikpunkt, der besonders Shein trifft, ist der Umgang mit Design. Unabhängige Künstler und kleine Labels werfen dem Unternehmen regelmäßig vor, ihre Designs eins zu eins kopiert zu haben. Durch die algorithmische Überwachung von Social-Media-Trends werden kreative Ideen oft innerhalb weniger Tage kopiert und als Billigware angeboten.

H&M lässt zwar auch von Trends inspirieren, verfügt aber über eigene Designteams und ist seltener in solche Plagiatsvorwürfe verwickelt. In unserem Design & Fashion Magazin beleuchten wir regelmäßig, wie wichtig der Schutz von Originalität in der Kreativbranche ist.

Influencer und die Macht der sozialen Medien

Warum ist Shein trotz aller Kritik so erfolgreich? Die Antwort liegt im Marketing. Durch die Zusammenarbeit mit tausenden Mikro-Influencern hat Shein eine Omnipräsenz auf Plattformen wie TikTok und Instagram geschaffen. Die sogenannten „Hauls“, bei denen riesige Mengen an Kleidung vor der Kamera ausgepackt werden, suggerieren, dass Mode ein Wegwerfartikel ist.

H&M nutzt zwar ebenfalls Influencer, setzt aber vermehrt auf langfristige Markenbotschafter und klassische Werbung. Der psychologische Druck, ständig etwas Neues tragen zu müssen, wird durch die Onlineshops von Ultra-Fast-Fashion-Anbietern jedoch massiv verstärkt.

Sind die Kleider von H&M besser als die von Shein?

Rein qualitativ betrachtet, schneidet H&M oft besser ab. Die Materialien sind in der Regel etwas langlebiger und die Passformen konstanter. Das bedeutet nicht, dass H&M-Kleidung für die Ewigkeit gemacht ist, aber sie übersteht meist mehr als zwei Waschgänge ohne Formverlust.

Bei Shein ist der Kauf oft ein Glücksspiel: Stoffe können unangenehm riechen, Knöpfe fallen ab oder die Schnitte entsprechen nicht den Bildern im Shop. Wer also länger Freude an seinen Textilien haben möchte, sollte eher zu etablierten Marken oder noch besser zu echten Fair-Fashion-Labels greifen.

Fazit: Ist Shein schlimmer als H&M? Die Qual der Wahl und nachhaltige Alternativen

Ist Shein also schlimmer als H&M? In puncto Transparenz, Arbeitsbedingungen und chemischer Belastung deutet vieles darauf hin, dass Shein das problematischere Modell darstellt.

Dennoch ist H&M kein Unschuldslamm. Beide Unternehmen tragen zu einer Kultur der Überproduktion bei, die unseren Planeten belastet.

Der beste Weg für Konsumenten ist es, den eigenen Konsum zu hinterfragen. Nachhaltige Alternativen gibt es viele: Second-Hand-Plattformen, Kleidertausch-Partys oder das Investieren in hochwertige Basics, die Jahre halten.

Letztlich entscheidet jeder Klick und jeder Kauf darüber, in welche Richtung sich die Modewelt entwickelt. Weniger ist oft mehr – für den Kleiderschrank und für die Umwelt.

 

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