Wo werden die Menschen am ältesten? Aktuelle internationale Daten führen zu mehreren Orten, je nachdem, ob die durchschnittliche Lebenserwartung eines Landes oder die Häufigkeit extrem hoher Lebensalter betrachtet wird. Monaco erreicht in den jüngsten Weltbankdaten für 2024 rund 86 Jahre und gehört damit zur Weltspitze. Auch Hongkong, Japan, Spanien, Italien und die Schweiz liegen auf einem sehr hohen Niveau.
Noch faszinierender wird das Thema abseits nationaler Durchschnittswerte. In einigen Regionen der Welt erreichen auffällig viele Menschen ein sehr hohes Alter. Bekannt geworden sind vor allem die Blue Zones auf Okinawa, Sardinien, Ikaria und der Nicoya Halbinsel. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass hinter der Langlebigkeit kein einzelnes Lebensmittel und kein einfacher Lebensstiltrick steckt, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Ernährung, Bewegung, sozialen Beziehungen, Umwelt und teilweise genetischen Faktoren.
In welchem Land werden die Menschen durchschnittlich am ältesten?
Bei internationalen Vergleichen muss zunächst geklärt werden, welche Datenbasis verwendet wird. Die Weltbank weist für 2024 für Monaco eine durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt von rund 86 Jahren aus. Hongkong kommt auf rund 85 Jahre, während Japan, Spanien, Italien und die Schweiz jeweils ungefähr 84 Jahre erreichen. Damit liegen mehrere europäische und asiatische Länder eng beieinander.
Andere internationale Statistiken und Vorausberechnungen können höhere Werte nennen, weil Berechnungsmethoden und Bezugsjahre voneinander abweichen. Deshalb sind Angaben von knapp 90 Jahren für Monaco nicht direkt mit den gemessenen Weltbankwerten vergleichbar. Die durchschnittliche Lebenserwartung beschreibt außerdem nicht das typische Sterbealter jedes einzelnen Bewohners, sondern basiert auf den Sterblichkeitsverhältnissen einer Population.
Japan und Okinawa: Ein Land der Hundertjährigen
Kaum ein Land wird so eng mit Langlebigkeit verbunden wie Japan. Im September 2026 meldete das japanische Gesundheitsministerium erstmals mehr als 100.000 Menschen im Alter von mindestens 100 Jahren. Insgesamt waren es 107.677, darunter 94.298 Frauen und 13.379 Männer. 1963 hatte Japan lediglich 153 Menschen dieser Altersgruppe registriert.
Innerhalb des Landes nimmt die japanische Insel Okinawa eine bekannte Rolle in der Forschung zur Langlebigkeit ein. Traditionelle Ernährungsweisen waren stark pflanzlich geprägt und enthielten unter anderem Gemüse, Hülsenfrüchte und Süßkartoffeln. Bekannt wurde auch das Prinzip Hara Hachi Bu, nach dem Mahlzeiten beendet werden, bevor vollständige Sättigung erreicht ist, häufig vereinfacht als etwa 80 Prozent satt beschrieben.
Was die Blue Zone Okinawa so interessant macht
Zur traditionellen Lebensweise gehörten neben der Ernährung enge soziale Netzwerke. Auf Okinawa werden feste Freundesgruppen als Moai bezeichnet. Hinzu kommt das japanische Konzept Ikigai, das vereinfacht einen persönlichen Lebenssinn oder einen Grund bezeichnet, morgens aufzustehen. Diese kulturellen Elemente werden häufig mit gesundem Altern in Verbindung gebracht, lassen sich wissenschaftlich jedoch nicht isoliert als Ursache für ein langes Leben bestimmen.
Auch die Vorstellung einer unveränderten Insel der Langlebigkeit greift zu kurz. Ernährungsweisen und Lebensbedingungen verändern sich über Generationen. Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit weist ausdrücklich darauf hin, dass die Ernährungsformen der Blue Zones weder vollkommen einheitlich noch über Jahrzehnte unverändert geblieben sind.
Blue Zones: Fünf Regionen auf der Welt wurden berühmt
Der Ursprung des Konzepts liegt auf Sardinien. Der Demograf Michel Poulain und der Mediziner Gianni Pes untersuchten dort Gemeinden mit auffällig vielen sehr alten Einwohnern. Später machte der Autor Dan Buettner das Konzept durch seine Arbeit unter anderem für das Magazin National Geographic international bekannt. Als sogenannte Blue Zones wurden schließlich fünf Regionen populär.
- Okinawa in Japan
- Ogliastra und Teile der Barbagia auf der italienischen Insel Sardinien
- die Nicoya Halbinsel in Costa Rica
- die Insel Ikaria in Griechenland
- Loma Linda in Kalifornien in den USA
Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese populäre Fünfergruppe allerdings differenzierter zu betrachten. Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit fand belastbare Hinweise auf eine überdurchschnittliche Langlebigkeit unter anderem für Ogliastra, Okinawa und Nicoya. Für Loma Linda fehlten innerhalb der untersuchten wissenschaftlichen Literatur dagegen Studien, die den Ort nach denselben demografischen Kriterien als natürlich entstandene blaue Zone untersuchten.
Wo werden die Menschen am ältesten?
Wo werden die Menschen am ältesten, wenn nicht ganze Staaten, sondern regionale Zentren der Langlebigkeit betrachtet werden? Hier rücken Sardinien, Okinawa, Nicoya und Ikaria in den Mittelpunkt. Eine aktuelle wissenschaftliche Einordnung nennt diese vier Gebiete als demografisch validierte Blue Zones und verweist zusätzlich auf Martinique als neu identifizierte Region. Entscheidend ist die sorgfältige Überprüfung von Geburtsdaten, Sterberegistern und der Altersstruktur einer Population.
Damit zeigt sich auch, weshalb spektakuläre Geschichten über die ältesten Menschen allein wenig über die Lebenserwartung einer Region aussagen. Ein einzelner Mensch kann 110 Jahre und älter werden, obwohl die übrige Bevölkerung vergleichsweise früh stirbt. Für die Forschung ist deshalb relevant, ob innerhalb einer Region über längere Zeit ungewöhnlich viele Menschen sehr hohe Lebensalter erreichen.
Sardinien und das ungewöhnliche Verhältnis zwischen Männern und Frauen
Ogliastra auf Sardinien ist aus einem weiteren Grund interessant. Während Frauen weltweit häufiger ein extrem hohes Lebensalter erreichen, fällt der Unterschied zwischen Männern und Frauen in Teilen der sardischen Langlebigkeitsregion deutlich geringer aus. Das traditionelle Leben in den Bergregionen war durch viel alltägliche körperliche Aktivität, familiäre Bindungen und eine mediterran geprägte Ernährung gekennzeichnet.
Untersuchungen von Menschen im hohen Alter auf Sardinien und Ikaria fanden außerdem Unterschiede bei sozialen, gesundheitlichen und einzelnen genetischen Merkmalen gegenüber Vergleichsgruppen. Die Autoren betonen zugleich, dass der Einfluss genetischer Faktoren vermutlich nicht isoliert betrachtet werden kann. Lebensumfeld, Verhalten und biologische Voraussetzungen wirken miteinander.
Loma Linda, Ikaria und Nicoya: Unterschiedliche Wege zur Langlebigkeit
Loma Linda in Kalifornien unterscheidet sich von den anderen bekannten Regionen. Dort lebt eine größere Gemeinschaft der Siebenten Tags Adventisten, deren Lebensstil häufig eine pflanzlich orientierte Ernährung sowie den Verzicht auf Tabak und Alkohol einschließt. Ein regelmäßiger Ruhetag und ein ausgeprägtes Gemeinschaftsleben gehören ebenfalls zur Glaubenspraxis. Die häufig wiederholte Behauptung, Bewohner von Loma Linda lebten pauschal zehn Jahre länger als der amerikanische Durchschnitt, sollte jedoch nicht mit einem amtlichen Vergleich der gesamten Stadtbevölkerung gleichgesetzt werden.
Auf der Insel Ikaria und der Nicoya Halbinsel in Costa Rica liegen die kulturellen Voraussetzungen wiederum anders. Die mediterrane Ernährung der Ikarier enthält traditionell Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Olivenöl und weitere pflanzliche Lebensmittel. Auf Nicoya spielen ebenfalls traditionelle Ernährung, alltägliche Bewegung und soziale Strukturen eine Rolle. Die Forschung warnt jedoch davor, aus Beobachtungen einzelner langlebiger Populationen automatisch universelle Rezepte abzuleiten.
Das Geheimnis der Langlebigkeit liegt nicht in einem einzelnen Nährstoff
Die Bewohner der Blue Zones ernährten sich historisch keineswegs identisch. Mediterran geprägte Kost auf Sardinien und Ikaria unterscheidet sich deutlich von der traditionellen Ernährung auf der Insel Okinawa. Gemeinsam sind mehrere Ernährungsformen jedoch hohe Anteile pflanzlicher Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sowie eine vergleichsweise geringe Bedeutung stark verarbeiteter Lebensmittel. Wissenschaftliche Arbeiten diskutieren unter anderem Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren und pflanzliche Inhaltsstoffe im Zusammenhang mit gesundheitsfördernden Effekten.
Auch Grüntee, Nüsse oder einzelne Lebensmittel werden regelmäßig als Geheimnis der Langlebigkeit präsentiert. Dafür ist die Datenlage zu komplex. Aktuelle Forschung beschreibt vielmehr ein Bündel aus Ernährung, regelmäßiger körperlicher Aktivität, sozialen Kontakten, Umweltbedingungen und teilweise genetischen Faktoren. Für ein langes und gesundes Leben zählt daher eher das gesamte Lebensmuster als ein einzelner Nährstoff.
In welchem Bundesland werden die Menschen am ältesten?
Innerhalb Deutschlands liegt Baden-Württemberg bei der Lebenserwartung an der Spitze. Nach der Sterbetafel 2023 bis 2025 des Statistischen Bundesamtes beträgt die Lebenserwartung bei der Geburt dort 80,3 Jahre für Männer und 84,4 Jahre für Frauen. Bei Männern liegt der Wert damit 3,9 Jahre über dem niedrigsten Bundesland Sachsen-Anhalt. Bei Frauen beträgt der Abstand zwischen Baden-Württemberg und dem Saarland als Schlusslicht rund 2,4 Jahre.
Interessant ist auch Sachsen. Frauen erreichen dort laut der aktuellen Sterbetafel 84,23 Jahre und liegen damit nur knapp hinter Baden-Württemberg. Deutschland insgesamt kommt auf 83,43 Jahre bei Frauen. Die amtlichen Werte sind Periodensterbetafeln und stellen eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse von 2023 bis 2025 dar, keine Prognose darüber, welches Lebensalter heute geborene Kinder tatsächlich erreichen werden.
Von den Blue Zones zum modernen Longevity Trend
Die Faszination für ein hohes Lebensalter hat inzwischen eine neue Richtung eingeschlagen. Neben traditionellen Lebensweisen stehen heute Longevity Forschung, Präventionsmedizin und technische Verfahren zur Messung biologischer Alterungsprozesse im Mittelpunkt. Häufig wird zwischen Lifespan, also der gesamten Lebensdauer, und Healthspan unterschieden, womit die möglichst lange Lebenszeit bei guter Gesundheit gemeint ist.
Gerade der Vergleich mit den Menschen in den Blue Zones liefert hierzu einen interessanten Kontrast. Historisch langlebige Gemeinschaften erreichten ihre höheren Lebensalter nicht durch aufwendige technische Programme, sondern lebten in Umgebungen, in denen Bewegung, soziale Kontakte und wenig verarbeitete Nahrung selbstverständlich zum Alltag gehörten. Die wissenschaftliche Literatur mahnt dennoch zur Vorsicht vor einfachen Rezepten. Eine 2026 veröffentlichte kritische Analyse betont, dass außergewöhnliche Langlebigkeit aus komplexen demografischen, biologischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen entsteht.
Fazit: Wo werden die Menschen am ältesten?
Wo werden die Menschen am ältesten? Nach den jüngsten verfügbaren Weltbankdaten gehört Monaco mit rund 86 Jahren durchschnittlicher Lebenserwartung zur globalen Spitze, während Hongkong, Japan und mehrere europäische Staaten ebenfalls sehr hohe Werte erreichen. Japan fällt zusätzlich durch seine enorme Zahl Hundertjähriger auf. Im September 2026 lebten dort erstmals mehr als 100.000 Menschen, die 100 Jahre alt oder älter waren.
Regional zeigen Blue Zones, dass extreme Langlebigkeit nicht auf einen einzelnen Faktor reduziert werden kann. Ernährung, Bewegung im Alltag, soziale Bindungen, medizinische Versorgung, Umwelt und biologische Voraussetzungen greifen ineinander. Auch die Forschung zu Okinawa, Sardinien, Nicoya und Ikaria liefert deshalb weniger ein fertiges Rezept zum länger leben als einen Hinweis darauf, wie stark Gesundheit durch das gesamte Lebensumfeld geprägt werden kann.

